Taggeckos
Die Taggeckos, die auch häufig als Phelsumen bezeichnet werden, sind kleine Echsen. Sie gehören zur Gattung Phelsuma in der Familie der Geckos (Geckonidae). Im Gegensatz zu der Mehrzahl der anderen Geckos sind Phelsumen bis auf Phelsuma guentheri tagaktiv, andere tagaktive Geckos gehören zu den Gattungen Lygodactylus, Sphaerodactylus, Quedenfeldtia und Gonatodes. Phelsuma ist als einzige Geckogattung neben Uroplatus komplett im Anhang 2 des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens aufgeführt (Ausnahme: Phelsuma guentheri ist im Anhang 1 gelistet).
Anatomie und Aussehen.
Die Färbung der Taggeckos erstreckt sich von einfachem Grün mit Farbtupfern bis zu komplexen gelb-blauen Mustern. Die Gesamtlänge von Phelsumen reicht von etwa 85 mm bis zu über 300 mm, wobei die meisten Arten knapp 200 mm erreichen. Sie haben runde Pupillen und besitzen keine Augenlider. Die ursprünglich vorhandenen oberen und unteren Augenlider sind im Laufe der Evolution zusammengewachsen und haben sich zu einer durchsichtigen Membran entwickelt. Beiderseits befindet sich hinter dem Trommelfell der endolymphatische Apparat, der häufig als Kalksäckchen bezeichnet wird. Der endolymphatische Apparat setzt sich zusammen aus einem beutelförmigen Saccus endolymphaticus und einem zuführenden Gang, dem Ductus endolymphaticus. Diese beiden Strukturen enthalten Calcium. Dieses Organ dient sowohl als Gleichgewichtsorgan als auch als Calciumspeicher. Die Weibchen benutzen diesen Speicher zur Eierschalenproduktion. Die Geschlechter sind hauptsächlich an den bei Männchen stark ausgebildeten Femoralporen oberhalb der Kloakenregion zu unterscheiden. Die Daumen sind im Vergleich zu den übrigen Zehen kurz. Die Schuppen an der Unterseite der Zehen werden als Subdigitallamellen bezeichnet. Sie sind in mehreren Längsreihen angeordnet. Die Subdigitallamellen sind einseitig mit 80-120 Mikrometer langen Setae (Haftborsten) besetzt. Diese Setae fasern sich wiederum in etwa 1000, endständig tellerförmige verbreitete, Spatulae auf. Diese Spatulae können sich in den kleinsten Unebenheiten eines Substrates verkrallen, weswegen Phelsumen auch an scheinbar glatten Oberflächen haften können.
Lebensweise und Verhalten.
Phelsumen sind wahrscheinlich tertiär tagaktiv. Das heißt, dass sich Taggeckos aus einer oder mehreren nachtaktiven Geckoarten entwickelt haben, die wiederum von tagaktiven Vorfahren abstammen. Ein Hinweis, der diese Theorie bestätigt, ist der Nachweis von leistungsfähigen Sehzellen im Auge der Taggeckos, die nachtaktive Vorfahren vermuten lassen. Außerdem werden Phelsumen zu den thigmothermen Tieren gerechnet. Typisch für thigmotherme Tiere ist, dass sie sich tagsüber überwiegend im Schatten aufhalten, nach einer relativ kurzen Phase der Thermoadaptation. Außerdem ist die Körpertemperatur nur geringfügig höher als die Umgebungstemperatur. Tiere, die sich gerne in der Sonne aufhalten, werden als heliotherm bezeichnet.
Verbreitung
Taggeckos kommen hauptsächlich auf einigen Inseln des Indischen Ozeans vor. Das Hauptverbreitungsgebiet ist Madagaskar, wo auch der Ursprung der Taggeckos liegen dürfte. Weiters werden Phelsumen auf einigen Inselgruppen im Indischen Ozean (Komoren, Seychellen, Andamanen, Maskarenen) sowie auf dem südostafrikanischen Festland gefunden. Es kommen auch von Menschen eingeführte stabile Populationen in Florida und auf Hawaii vor.
Bedrohung
Die rasante Vernichtung von Primärwäldern und der Bau gigantischer Hotelanlagen an den Uferzonen und der mit Letzterem verbundere Insektizideinsatz sind eine starke Bedrohung für die oft sehr “inselartig” verbreiteten Restvorkommen der Phelsumen. Eingeschleppte Tiere tragen zu ihrer Vernichtung bei.
Klassifikation der Gattung Phelsuma GRAY 1825
Wahrscheinlich stammen die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über Phelsumen von François Leguat (1708). Er berichtete von dunkel gefärbten Echsen auf der Insel Rodrigues, bei denen es sich um die inzwischen ausgestorbene Art Phelsuma gigas handelte. Die Gattung Phelsuma wurde unter diesem Gattungsnamen erstmals 1825 durch den britischen Zoologen John Edward Gray beschrieben und nach dem niederländischen Arzt Murk van Phelsum benannt. Bisher sind etwa 70 Arten und Unterarten beschrieben worden. Zwei Phelsumenarten, (Phelsuma gigas und Phelsuma edwardnewtoni) werden als ausgestorben betrachtet. Das Aussterben dieser Arten wurde wahrscheinlich durch die Vernichtung ihrer Biotope und eingeschleppte Haustiere verursacht.